Für Trainer und Übungsleiter

Die Tatsache, dass im Sport erlaubtes, ja erwünschtes Verhalten und verbotenes Verhalten so eng beieinander liegen, führt zu einer gesteigerten Verantwortlichkeit insbesondere von Trainern und Betreuern.

Viele Trainer und Übungsleiter fragen sich: „Darf ich als Trainer meine Jugendlichen nun nicht mehr nach dem Spiel in den Arm nehmen?“

Die Antwort lautet ganz klar: Doch, Sie können und dürfen Ihre Kinder und Jugendlichen auch weiterhin in den Arm nehmen, denn Körperkontakte sind nicht grundsätzlich verboten. Bestimmte Verhaltensweisen gehören zum Sport dazu, sie zeichnen eventuell sogar einen guten Trainer aus.

Den Kindern nach einem guten Spiel auf die Schulter zu klopfen oder sie auch kurz in den Arm zu nehmen, ist normal und gehört zum Sport dazu. Ebenso Umarmungen nach Erfolgen. Gerade im Kindersport kommt es häufig zu Situationen, in denen die Kinder Trost und Zuwendung brauchen. Der Trainer oder Betreuer, der nach einem Foul seinen weinenden Spieler in den Arm nimmt und tröstet, begeht keine Grenzverletzung, sondern verhält sich sozialadäquat. Anders ist dies aber schon dann, wenn diese Situation ausgenutzt wird.

Nehmen Sie Ihre Vorbildwirkung auf Kinder und Jugendliche jederzeit bewusst wahr und tragen Sie diese besondere Verantwortung mit Sorgfalt.

Die folgenden grundsätzlichen Verhaltensregeln haben wir u. a. aus dem Internetauftritt des Schweizerischen Olympischen Komitees (http://www.spiritofsport.ch) für Sie zusammengetragen:
  • Achten Sie insbesondere auf die körperliche und psychische Integrität der Kinder und Jugendlichen. Nehmen Sie Schamgefühle ernst. Treten Sie immer für das Selbstbestimmungsrecht der Kinder ein. Es gilt der Grundsatz „mein Körper gehört mir“.
  • Pflegen Sie einen natürlichen, sorgfältigen Umgang mit den Ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Dazu gehört auch, dass Sie nicht auf alle Körperkontakte verzichten, sich aber sehr wohl eines jeden Körperkontaktes bewusst sind. Bestimmte Körperkontakte, z. B. das „In-den-Arm-Nehmen“ eines über eine Niederlage enttäuschten Kindes, gehören zu unserem Sport dazu.
  • Wenn heikle Berührungen beispielsweise aufgrund einer Trainingssituation notwendig sind, sprechen Sie solche Situationen offen an. Fragen Sie ein Kind, ob es okay ist, wenn Sie sich entsprechend verhalten, und zwar vorher!
  • Jedes Kind ist anders. Während das eine Kind eher verschlossen ist und jeden körperlichen Kontakt als Eingriff in seine Intimsphäre missbilligt, ist für andere Kinder (auch) körperliche Nähe normal. Versuchen Sie, die Ihnen anvertrauten Kinder zu verstehen und die jeweils individuellen Grenzen zu wahren.
  • Unabhängig von den individuellen Grenzen eines jeden Kindes gibt es absolute Grenzen, die Sie als Trainer/Betreuer nicht überschreiten dürfen. Selbst wenn Sie den Eindruck haben, dass ein Kind von Ihnen mehr Zuwendung wünscht, ist es an Ihnen, diese Grenzen zu setzen und auch einzuhalten. Sie sind der Erwachsene, der die Bedeutung von Grenzverletzungen einschätzen kann und dafür verantwortlich ist, absolute Grenzen unabhängig von den von Ihnen wahrgenommenen Wünschen der Kinder zu wahren.
  • Halten Sie die Ihnen anvertrauten Kinder im Auge. Sexuelle Übergriffe kommen nicht nur im Verein, sondern auch in der Familie, im schulischen Umfeld etc. vor. Sie verbringen viel Zeit mit den Kindern und haben vielleicht die Chance, Ihren Kindern und Jugendlichen in solchen Situationen zu helfen und beizustehen. Wenn Sie ein auffälliges Verhalten feststellen, suchen Sie Hilfe. Sprechen Sie zunächst das Kind an, bedrängen es aber nicht. Suchen Sie dann gegebenenfalls die Möglichkeit, die Eltern auf das Verhalten des Kindes anzusprechen.
  • Wertschätzung ist unabdingbar für eine gute Trainingsbeziehung. Aber achten Sie stets auf Ihre individuellen Gefühle gegenüber den Ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Wenn Sie feststellen, dass Ihre Gefühle zu weit gehen, suchen Sie rechtzeitig das Gespräch und Hilfe bei geeigneten Stellen, bevor Sie zum Täter werden! Vielleicht hilft Ihnen der folgende Link weiter: www.kein-taeter-werden.de.